Für mehr Personal haben wir kein Geld?

HEBUX: Blickwinkel

BLICKWINKEL-BEISPIEL 2:

Du kennst sicherlich auch diese Aussage, aus den Bereichen Kranken- und Altenpflege:

„Für mehr Personal haben wir kein Geld!“

Kein Geld für Personal? Wir halten dies für die falsche Fragestellung! Die Frage sollte vielleicht eher lautet:
Kann unsere Gesellschaft das Personal versorgen?

Wir denken unsere Gesellschaft kann sich versorgen! Warum können dann nicht mehr Leute in der Kranken- oder Altenpflege arbeiten, dieses Personal wird dort schließlich benötigt!

Wenn wir zu wenig Personal für solch wichtigen Berufszweige haben sollten, könnte man vielleicht darüber nachdenken, ob andere Einsatzbereiche wie z.B. Versicherungen, Glücksspiel, Banken oder anderen Unternehmen auf Personal verzichten könnten …

Veränderung zum Vorteil Einzelner

HEBUX: Blickwinkel

BLICKWINKEL-BEISPIEL 1:

Stell Dir eine Gruppe von 25 Personen vor, die einen Bauernhof mit großer landwirtschaftlicher Anbaufläche betreibt. Die 25 Personen wohnen in 5 Häusern auf dem Hof verteilt. Aufgrund der verschiedenen Fähigkeiten der einzelnen Personen ist es Ihnen möglich, alle anfallenden Arbeiten selbst auszuführen. Aufgrund eines Flusses wird Strom über ein Wasserrad erzeugt. Weiterhin verfügt der Hof über einen Brunnen, aus dem man das Trinkwasser fördert. Der Hof ist somit autark. [autark = wirtschaftlich unabhängig / von niemand anderes abhängig]

BESTAND:

Der Hof bzw. die Ernte liefert mehr als ausreichend Nahrung für alle 25 Personen. Die Menge an Arbeit ist überschaubar, so dass keiner mehr als 5 Stunden am Tag arbeiten muss, bei 6 Tagen die Woche. Wenn die Wasserleitung defekt ist, die Hofeinfahrt repariert werden muss oder ein neues Gebäude gebaut werden muss, packen alle mit an. Somit sind alle versorgt.

Keiner wird ausgebeutet oder muss hungern. Alle sind gleichberechtigt.

DIE VERÄNDERUNG:

Nun versuchen wir mal das einzuführen, was man heute vielleicht mit dem Begriff moderne Gesellschaft umschreiben könnte.

Eine Person, wir nennen ihn einfach mal Herrn Klug, wohnt in dem letzten Haus vor den Feldern, die von der Gemeinschaft bearbeitet werden. Der Weg davor wird am meisten benutzt und muss somit am häufigsten repariert werden. Herr Klug überzeugt seine 4 Mitbewohner davon, es sei in ihrem Interesse Inhaber des Weges zu sein.

Herr Klug macht den anderen vier Häusern bzw. deren Bewohnern den Vorschlag, dass die Häuser zukünftig den Bewohnern mit allen Rechten und Pflichten selbst gehören und sich selber um die Reparatur der Wege kümmern. Nach längerer Diskussion überzeugt er die anderen und es werden Verträge geschlossen. Nachdem alles vereinbart ist, sagt Herr Klug, der Weg vor dessen Haus ist häufiger kaputt, weil die anderen ihn alle nutzen. Somit dürfen die anderen den Weg nur noch benutzten, wenn Sie dafür bezahlen. Da es ja kein Geld gibt, wird folgendes vereinbart:

Bisher haben 25 Personen 750 Stunden die Woche gearbeitet.

– Herr Klug und seine Mitbewohner werden statt 150 Stunden die Woche nur noch 100 Stunden die Woche arbeiten, also jeder nur noch 20 statt 30 Stunden in der Woche.
– Die Bewohner in den anderen Häusern müssen nun je Person statt 30 Stunden 32,5 Stunden pro Woche arbeiten.

In dem Haus, auf dessen Grundstück der Brunnen steht, wohnt Herr Neunmalklug. Herr Neunmalklug denkt, dass ist ja ein schönes Geschäftsmodell und spricht mit Herrn Klug. Herr Klug unterstützt nun Herrn Neunmalklug und die beiden beschließen, dass auch für das Wasser bezahlt werden muss.

Die anderen wollen das so nicht akzeptieren, Herr Klug sagt aber, wenn ihr das nicht akzeptiert, dürft ihr meinen Weg nicht mehr benutzen. Alle 25 Personen stimmen also der neuen Regelung zu.

Herr Klug und sein Haus müssen aber nicht mehr zahlen, da er ja Herrn Neunmalklug unterstützt hat. Somit ergibt sich folgende Rechnung:

– Herr Klug und seine Mitbewohner werden weiterhin nur 100 Stunden arbeiten.
– Herr Neunmalklug und seine Mitbewohner arbeiten zukünftig statt 162,50 Stunden nur noch 100 Stunden in der Woche, also jeder nur noch 20 Stunden pro Woche.
– Alle anderen Bewohner arbeiten pro Woche nun 550 Stunden, je Person sind das dann 36,67 Stunden pro Woche.

Herr Klug und Herr Neunmalklug freuen sich, über Ihr Vorhaben. Da sie erkennen, dass Sie nun zwei wichtige Monopole haben beschließen Sie den Preis für Weg und Wasser zu erhöhen. Somit kommt es zu folgendem Ergebnis:

– Herr Klug und seine Mitbewohner werden nur noch 50 Stunden die Woche arbeiten.
– Herr Neunmal und seine Mitbewohner werden ebenfalls nur noch 50 Stunden die Woche arbeiten, sprich pro Person nur noch 10 Stunden pro Woche.
– Die Bewohner der anderen Häuser müssen somit 650 Stunden pro Woche arbeiten, das entspricht pro Person 43,33 Stunden pro Woche.

Aufgrund der enormen Arbeitsbelastung, die die 15 Personen leisten, werden einige krank und schaffen die Arbeit nicht mehr. Herr Klug und Herr Neunmalklug bieten großzügig Ihre Hilfe an, dafür möchten Sie aber bezahlt werden. Da die anderen nichts mehr haben, wird folgendes vereinbart:

– Es wird ein Zahlungsmittel eingeführt, wie nennen es mal EURO.
– Der Landbesitz gehört nur noch den Herren Klug und Neunmalklug.
– Die Mitbewohner der Herren Klug und Neunmalklug arbeiten nun mehr und erhalten für Ihre Arbeit Lohn. Dieser Lohn ist höher, weil ohne Ihre Mithilfe die anderen nicht der Eigentumsübertragung zugestimmt hätten.
– Die anderen Bewohner sind jetzt Arbeiter und erhalten einen Lohn für Ihre Arbeit.
– Von dem Lohn müssen die Personen nun aber Ihr Essen bei Herrn Klug und Neunmalklug kaufen.

DAS ZWISCHENFAZIT:

Nun wurde die drei Klassengesellschaft realisiert:

Herr Klug und Neunmalklug: Geht es sehr gut (2 Personen)
Mitbewohner von den Herren Klug und Neunmalklug: Geht es gut (8 Personen EUR 13,- je Stunde)
Andere Bewohner: Geht es deutlich schlechter (15 Personen, EUR 5,- je Stunde)

Zeit folgende Frage zu stellen: Welche Wertschöpfung wurde für die Gesellschaft geschaffen?

Gibt es mehr Wege? Nein
Gibt es mehr Wasser? Nein
Geht es der Mehrheit der Personen im Durchschnitt besser? Nein
Die Mehrzahl der Personen arbeitet nun 2,22 Stunden am Tag mehr als früher.

Würde man dieses Beispiel noch weiterspinnen, dann würde vermutlich noch folgendes kommen:

– Sozialunterstützung für die anderen 15 Personen, weil sie von Ihrem Lohn nicht ausreichend Essen kaufen können.
– Mindestlohn als Geschenk der Oberschicht
– Versicherungen
– Banken und Finanzwesen

Hierfür wären weitere Arbeiter, Beamte und Angestellte notwendig, um diese Dienstleistungen und Produkte anbieten zu können.

Ist das die moderne Gesellschaft, die unser Leben unkomplizierter macht?